Institut für Wohlbefinden und Behaglichkeit

 von Sebastian Knöpker

Das Wohlbefinden lässt sich institutionalisieren: Es gab einmal Friseursalons, die zu Schönheitssalons wurden und sich Institut de beauté nannten. Daraus entstanden die Institute für das Behagen, in denen ganz klasssich epiliert und lackiert wird, im Mittelpunkt aber eine Serie kleiner Lüste steht.

Eine erprobte Lust am Institut de bien-être ist das Treiben im Salzwasser, das auf Körpertemperatur gebracht worden ist. Es handelt sich dabei um eine Art Badewanne mit Deckel, in der aber keine sargähnliche Atmosphäre aufkommt, sondern im Fehlen äußerer Reize ein Gefühl der Leichtigkeit, des Auftriebs und der Neuordnung der Schwerkraftverhältnisse der Seele. Entspannung wäre ein zu geringes Wort, um den Grad der Gelöstheit im Salzwassertank zu bezeichnen.

Auch die Massage gehört zu den sicheren Genüssen, die man beim hedonistischen Friseur erleben kann. Wird man in der Massage gezogen, gedehnt und abgeklopft, so kommt die äußere Kraft so im Leib an, ein behagliches In-sich-Schwingen entstehen zu lassen. Die Massage legt ein äußerlich unbewegtes In-sich-Bewegtsein an und bildet so das Gegenstück zum Frust, bei dem man ebenfalls eine quersitzende und in sich verlaufende Energie empfindet. Was dort nervt und zergelt, kann durch eine gekonnte Massage in ein angenehme Selbstbewegtheit umgesetzt werden. Schwingen, Vibrieren, Pulsieren und Zittern werden so zu genussreichen Erfahrungen.

Auch die Ansprache und der Austausch mit der Kosmetikerin ist eine Freude für sich. Und zwar nicht so sehr, weil man von ihr dezent gelobt und bestärkt wird, sondern weil man sich in ihrer Nähe sicher vor Urteilen fühlt. Die Kosmetikerin lässt einen Raum entstehen, wo über den Körper und seine Alterung und problematischen Aspekte nicht geurteilt wird und man so sein darf, wie man ist. Das Problem mit einem mehr und mehr schlecht und schiefsitzenden Körper ist es ja nicht, dass er nicht mehr so ist, wie er sein sollte, sondern die ungnädigen Blicke und Urteile der Mitmenschen. Die éstheticienne (Ästhetikerin) genannte Kosmetikerin weiß darum und klammert die Schattenseite ihrer Kunden gekonnt aus.

Alles an Lust und Genuss zusammengenommen ergibt noch einmal ein Ereignis für sich. Die Tatsache, sich zu freuen und an einem Ort der Entspannung zu sein, wird zu einer zusätzlichen und sehr angenehmen Tatsache. So wie man am Abend einen Drink oder Cocktail zu sich nimmt und auf diese Weise den Beginn des Feierabends zelebriert und spürt, dass nun der Abend beginnt, so wird auch im hedonistischen Salon eine zusätzliche Tatsache erschaffen, an einem Ort der Lust zu sein. Der five o`clock tea, so harmlos er auch ist, schafft es doch, aus der neutralen Tatsache, dass der Abend beginnt, ein Ereignis werden zu lassen, dass angenehm ist. Ein solches Ereignis wird auch im Besuch des Instituts für Wohlbefinden erschaffen.

Ist das Institut de bien-être ein Ort des Genusses, wo man gut aufgehoben ist? Verlässt man den hedonistischen Friseur und tritt auf die Straße, spürt man wie abweisend die Welt ist und wie überdreht und gestresst die Menschen sind. Das kann man nur dann empfinden, wenn man selbst mit sich zufrieden ist und mit sich übereinstimmt. Die Freuden, die man im Institut fürs Wohlbefinden durchlaufen hat, stellen also mit dem Menschen etwas an und wirken über den Moment hinaus.

So ein Besuch hat aber auch fragliche Qualitäten, da viele Frauen das Wohlbefinden nicht so sehr um seiner selbst willen suchen, sondern um besser nach Außen zu strahlen. Nachlassende Schönheit und Jugend soll durch das innere Lächeln ausgeglichen werden, wozu es nicht reicht, sich morgens vor den Spiegel zu stellen und ein frohes Gesicht aufzusetzen. Es braucht echte und tief reichende Zufriedenheit, die man sich im Insitutut für Behagen holt, das aber letzten Endes doch Schönheitssalon bleibt, weil die Genüßlichkeit nur den Zweck hat, wie auch die lackierten Nägel und die gebräunte Haut.