Der Glücksatlas

  von Sebastian Knöpker

Der Glücksatlas zeigt auf einer Deutschlandkarte an, wer wo wie glücklich oder unglücklich lebt. Demnach leben die glücklicheren Menschen in Schleswig-Holstein, die weniger glücklichen im Süden und im Osten. Das Glück pendelt dabei um eine solide 7, die auf einer Skala von 0 – 10 aufsteigend den Grad des Wohlbefindens wiedergeben soll.

Der Glücksatlas ist allerdings trotz seines Titels keine Karte gelebten Glücks, sondern der Zufriedenheit im Leben. Großzügig wird dabei unter Zufriedenheit die Abwesenheit von Schmerz und Leid verstanden, so dass das Ganze besser Atlas der relativen Schmerzfreiheit genannt werden sollte. Wer also jeden Tag drei bis vier Stunden im Netz mit Twitter, Facebook und WhatsApp verbringt, und so seine Zeit mehr recht als schlecht lebt, der bekommt einen Glückseintrag im Atlas. Was schlecht gelebte Zeit ist, wird so zu Glück.

„Die subjektive Lebenszufriedenheit ist gar nicht so kompliziert zu messen. Der Harvard-Professor Daniel Gilbert vergleicht es gern mit der Messung der Kurzsichtigkeit.“ verrät gluecksatlas.de und fügt selbstbewusst hinzu „Bei der Lebenszufriedenheit liegen ebenfalls nur subjektive Eindrücke vor, aber die Aussagen sind erstaunlich präzise, wie 30 Jahre Erfahrung mit der Glücksforschung belegen.“ Tatsächlich sind im Jahr 2014 etwa 6000 Deutsche gefragt worden, „wie zufrieden sie gegenwärtig, alles in allem, mit ihrem Leben“ seien. Weitere Fragen drehten sich um die Gesundheit, das Einkommen und die Familiensituation, was zusammen genommen zur Belegung der einfachen Botschaft herangezogen wird, das derjenige, der gut verdient, in fester Bindung lebt, Wohneigentum besitzt und gebildet ist, ein glückliches Leben lebt. Es handelt sich also um Propaganda für bürgerlichen Wohlstand und harte Arbeit, die sich lohnt.

In einem guten Sinne geht es bei der Quantifizierung von Glück und Zufriedenheit darum, aus dem Bruttosozialprodukt ein Bruttoglücksprodukt zu machen, um besser zu verstehen, wie Wirtschaftswachstum und Zunahme an Kaufkraft in den Privathaushalten die Zufriedenheit der Menschen beeinflusst. Realistisch betrachtet geht es dabei nicht darum, Glückseligkeit als Zahl einzufangen, sondern die Einseitigkeit ökonomischer Kennziffern abzuschwächen und das Leben mit seinen Gefühlen in der Zahlenwerke mit einzubringen.