The Pump

von Sebastian Knöpker

The Pump ist ein Lustgefühl von Macht und Kraft im Bodybuilding. Dieses Hochgefühl wird durch eine Reihe intensiver An- und Entspannungen bestimmter Muskelgruppen erreicht, die den Körper an den Rand der Erschöpfung bringt und darin den Weg zu einem Gefühl der Weitung des Leibes freimacht, das mit dem Orgasmus eng verwandt ist.

The Pump ist ein ekstatisches Lustgefühl, das im Bodybuilding gesucht und gefunden wird. Die Grundformel für den Pumpeffekt im Bodybuilding lautet: von Satz zu Satz zum Supersatz. Ein Satz bezeichnet eine Übung, in der ein bestimmte Muskelgruppe trainiert wird. Ein Supersatz ergibt sich, schließt man an diese Übungseinheit ohne Pause einen oder mehrere Sätze an. Um The Pump hervorzubringen braucht es dabei einen antagonistischen Supersatz, also eine Abfolge von Übungen, in denen z. B. wechselweise Armbeuger (Bizeps) und Armstrecker (Trizeps) trainiert werden. Ein Satz führt dabei den Übenden bis an den Rand zur Erschöpfung, dahin also, die Übung physisch nicht mehr weiter führen zu können, wohl aber in der Lage zu sein, in die Übung des Gegenspielers dieses Muskels übergehen zu können. Dieser nahtlose Übergang zur Aktivierung des Gegenspielers des vorher trainierten Muskels wird umgesetzt, bis auch hier eine Erschöpfung eintritt. In der Komplettierung dieses Supersatzes, der aus zwei Sätzen zweier Übungen besteht, kommt es schließlich nicht zu einer umfassenden Erschöpfung, sondern zu The Pump.

Dabei handelt es sich um einen Lustzustand, der mit dem Orgasmus eng verwandt ist. Diese Verwandtschaft zeigt sich in dem Gefühl der Weitung des Leibes, die mit einem Machtgefühl einhergeht. Dabei weitet sich sowohl der Körper als Ding unter Dingen, d.h. die Muskeln des Bizeps und Trizeps der Arme werden größer, wie auch der Leib als das subjektiv Gespürte sich weitet. Entscheidend ist dabei die Weitung des Leibes, also die des Gefühlsraumes, da der Körper als Ding selbst nichts empfinden kann, die Lust von The Pump also nicht erlebt. Die subjektive Ausdehnung des Leibes bedeutet ein Wachsen in den Raum hinein, das als Machterleben erfahren werden kann. Diese Krafterfahrung von sich entspricht der ursprünglichen Machterfahrung, die darin ursprünglich ist, eine Macht für sich zu sein, also sich nicht auf etwas außerhalb ihrer selbst zu beziehen. Die politische Macht des Diktator wäre zum Beispiel keine ursprüngliche Macht, da sie eine Macht in Bezug auf etwas ist, und nicht Macht für sich sein kann. Die Machterfahrung ist dabei immer eine Erfahrung von leiblicher Kraft, und der Bodybuilder nutzt diesen Umstand auf die einfachste Weise: er strebt nicht nach einer Macht über etwas, sondern danach, die leibliche Weitung, die jedem Krafterleben zu Grunde liegt, selbst zu meistern.

Es bleibt jedoch eine Unklarheit, was der Bodybuilder tatsächlich erlebt, wenn er davon spricht, sich „all over the gym“ ausgedehnt zu erfahren. Er selbst ist ja noch an Ort und Stelle und ist nur um einige Zentimeter in Sachen Armmuskulatur „gewachsen“. Offenkundig füllt er den Raum nicht mit seinem Körper aus, sondern mit seinem gefühlten Leib. Was das bedeutet, kann man sich durch den Vergleich mit einem Schockzustand klar machen, in dem man eine Weitung erfährt, in der die eigene Machtlosigkeit erfahren wird. In dieser räumlichen Ohnmacht verströmt man sich im Ungefähren, und hat keinen Halt mehr wie sonst in dem absoluten Ort des eigenen Leibes. Man kann nun darüber diskutieren, welcher Raum dort ausgefüllt wird – ist es ein subjektiver oder ein objektiver – aber die Raumerfahrung selbst ist das, was bleibt.

Dieselbe Raumerfahrung unter anderen Vorzeichen macht man, liegt man auf einer frühlingshaften Wiese im ersten Sonnenschein des Jahres. Hier kommt es zu einer Weitung, die den ganzen Horizont erfüllt, ohne dass man sagen könnte, man wäre die Wiese, der Himmel oder die Sonne. Man durchdringt die Wiese vielmehr so, wie man berechtigt davon sprechen kann, dass ein Wassertropen einen ganzen Ozean enthalten kann. Was physikalisch unmöglich ist, kann als gefühlter Raum ohne weiteres erlebt werden. Bodybuilder`s High ist nun ein solcher Tropfen, der einen Ozean in sich enthält, ohne dabei irgendeine Anleihe an der Esoterik machen zu müssen.

Die Lust von The Pump besteht im weiteren auch in der Leichtigkeit, die man darin erfährt. Gemeint ist zunächst die leibliche Leichtigkeit, die sich erfolgreich vom physikalischen Gewicht emanzipiert. Diese Emanzipation betreibt jeder, der einige Gläser Wein oder Bier trinkt und sich in der Folge leicht fühlt. Diese Leichtigkeit ist natürlich mit den Erfahrungen der Weite und der Weitung eng verwandt, hat aber noch einen besonderen Sinn. Der findet sich in der „Leichtigkeit des Seins“, die man so auf den Punkt bringen kann, dass einem in dieser Leichtigkeit alles möglich ist, ohne von auch nur einer Möglichkeit Gebrauch machen zu müssen. Nur diese Macht ist in sich allmächtig, da eine unbegrenzte Macht immer dann eine Begrenzung erfährt, macht man von ihr Gebrauch. Der Bodybuilder ist diesem Zwang aber nicht ausgesetzt, so dass das Leibgefühl, alles zu können, in eine vollgültige Realität umschlägt, da prinzipiell von dem Gefühl der Allmächtigkeit kein Gebrauch gemacht wird. Die Möglichkeiten bleiben also Möglichkeiten und werden gerade darin zu einer Wirklichkeit der Krafterfahrung an sich selbst.

Allerdings ist auch nicht zu verschweigen, dass viele Bodybuilder doch mehr auf das Äußere setzen, also auf den Aufbau von Muskelmasse, der mit The Pump nur bedingt zu tun hat. So ist der so genannte produktive Pump nicht mehr primär dazu da, Lust zu empfinden, sondern das Wachstum der Muskeln zu fördern und auch der kosmetische Pump will ein Publikum erreichen, das dem Bodybuilder Anerkennung zollt. Das Kosmetische setzt bereits da ein, wo sich der Bodybuilder selbst im Spiegel betrachtet, um das Anschwellen seiner Muskeln zu betrachten. Diese Selbstintensivierung geht von dem Kern des Pump ab, da hier die Sichtbarkeit des Körpers die Unsichtbarkeit der leiblichen Ausdehnung und Leichtigkeit verdrängt: es wird darauf gesetzt, dass das wirklich ist, was man selbst und was andere sehen können, anstatt sich der Gefühlswirklichkeit, die eben gefühlt und nicht gesehen wird, anzuvertrauen.

Was ist nun von The Pump zu halten? In der Liste der Genüsse, die man leicht verwirklichen kann, steht The Pump weit oben. Wenn man einmal sieht, dass ein orgasmusähnlicher Zustand jeden Tag erreicht werden kann, ohne danach in ein Gefühlsvakuum zu fallen, dann ist Bodybuilder`s High nicht gering zu schätzen. Der Pump hat die angenehme Eigenart, nicht auf dem Höhepunkt der Lust einzubrechen, sondern nur allmählich zu schwinden. Wichtiger noch ist das allmähliche Schwinden des Pump auf eine immer geringere Intensität stets mit einem Zufriedensein mit dem noch Verbleibenden verbunden: man spürt, dass die Lust größer sein könnte, aber man spürt in der Lust nicht den Makel, dass es auf das Größere gerichtet ist – das Gefühl will sich nicht größer sehen, wodurch ein gewisser Frieden mit sich selbst gegeben ist. Erst am nächsten Morgen kann es unangenehm werden: dann nämlich, wenn man aufwacht und das Leibgefühl auf das übliche Maß zurückgefallen ist. Man geht mit dem verbliebenen Rest an leiblicher Mächtigkeit schlafen und wacht im unklaren Bewusstsein auf, dass etwas Wesentliches fehlt. Bin ich diese kümmerliche Gestalt?

The Pump ist auch deswegen für den ambitionierten Lustsucher von größerer Bedeutung, da man relativ wenige Bedingungen hierfür zu erfüllen hat. Gewiss muss man gesund und trainiert sein, man muss auch eine kohlenhydratreiche Ernährung pflegen und viel Flüssigkeit zu sich nehmen, aber man braucht keinerlei Anabolika oder sonstige Stimulanzen.

Arnold Schwarzenegger: “The greatest feeling you can get in a gym, or the most satisfying feeling you can get in the gym is The Pump. Let’s say you train your biceps. Blood is rushing into your muscles and that’s what we call The Pump. You muscles get a really tight feeling, like your skin is going to explode any minute, and it’s really tight – it’s like somebody blowing air into it, into your muscle. It just blows up, and it feels really different. It feels fantastic. It’s as satisfying to me as, uh, coming is, you know? As, ah, having sex with a woman and coming. And so can you believe how much I am in heaven? I am like, uh, getting the feeling of coming in a gym, I’m getting the feeling of coming at home, I’m getting the feeling of coming backstage when I pump up, when I pose in front of 5,000 people, I get the same feeling, so I am coming day and night. I mean, it’s terrific. Right? So you know, I am in heaven”. (Pumping Iron, 1977)