Eisschwimmen

Man zieht sich aus, nimmt die Eishacke in die Hand, geht aufs Eis, hackt das zugefrorene Loch von gestern auf und springt ins kalte Wasser. Dabei trifft einen der Schlag und man friert so sehr, dass man zu brennen meint. Das alles wird vom Lustgewinn aber sehr bald abgelöst. Die eher sachliche Vorhandenheit des eigenen Körpers wird nämlich zu einer angenehmen Tatsache: man freut sich am Körper, bloß weil er da ist.

Im Kontakt mit dem Wasser kann man ohne Anstrengung man selbst sein, sich darin mögen und sich mögen zu dürfen. Die Kälte erzeugt eine Freude am eigenen Leib, weil dieser so ist, wie er ist. Weil man sich spürt, gefällt man sich, so dass im bloßen Anwesendsein der Grund für das Behagen gegeben ist. Dieses Eigenlob entfaltet sich ohne jeden Abstrich an sich. Es beeindruckt sich selbst, nimmt sich wichtig und wird so an sich gewichtig.

Sinn des Eisbadens ist es also, aus der bloßen Tatsache, einen Leib zu haben, eine angenehme Tatsache zu machen. Normalerweise wird der eigene Leib in gesundem Zustand als Faktum hingenommen und fällt weder positiv noch negativ auf. Er ist da, er ist vorhanden. Von der reinen Tatsache zur erfreulichen Tatsache zu kommen, gelingt durch sehr einfache Techniken, so wie durch das Einsteigen in eiskaltes Wasser.

Genauer entfalten sich dabei bestimmter Qualitäten: die Wärme, die von Innen aufsteigt, die Leichtigkeit des Körpers, so wie auch seine Weite und Weitung. All das gefällt und erzeugt ein Behagen, dass man auch durch große Hitze in der Sauna haben könnte. Ob starke Wärme oder das Gegenteil davon, der Mehrwert der Lust ist erheblich, und erhält sich auf niedrigem Niveau den ganzen Tag über.

Sebastian Knöpker