Lachyoga

Wer über einen guten Witz lacht, der lacht körperlich. Lachyoga will ohne Witz und Ironie das Lachen im Körper direkt ankurbeln und Zwerchfell, Brustkorb und sonstige Muskeln als Lachröhre nutzen. Ziel ist also ein Umsturz im Sektor Humor, indem man nicht mehr lacht, weil man Freude empfindet, sondern eine Lust empfindet, weil man lacht. Lachyoga ist somit nicht nur für Menschen gedacht, die wenig zu lachen haben, weil sie im Gefängnis, im Krankenhaus oder in der Reha sind, sondern für alle Menschen, die ihren eigenen Leib als Lachkondensator und Lachkonserve erschließen wollen.

Zu Beginn stehen dabei Dehn- und Atemübungen, rhythmisches Klatschen und Intonieren einfacher Laute. Derart aufgewärmt, ist die Lachschwelle bereits herabgesetzt und durch eine Gruppendynamik der Lachanwärter, in der Blicke und Gesten ausgetauscht werden, soll dem Lachen noch näher gekommen werden. Wie überall gibt es auch im Lachyoga den Vogel, der die anderen zum Singen bringt, in diesem Falle zum Lachen, etwa durch sein besonders natürliches und ansteckendes Lachen. Zündet dieses Anlachen nicht, so gibt es eine große Anzahl von kleinen schauspielerischen Einlagen, welche durch Gesten und Mimik eine Situationskomik hervorbringen sollen, die zusammen mit dem bereits für das Lachen enthemmten Körper zum Einlachen führen soll. Ist dabei einmal das Lachen bei den Teilnehmern ausgelöst, so kann es sich verselbstständigen und den Körper zur angestrebten Lachröhre werden lassen.

Das Grundrezept des Lachyoga ist also etwas dürftig und setzt eine gewisse Lachbereitschaft voraus. Auch reizt der Anblick lachender Menschen keineswegs immer zu einem Mitlachen, sondern kann auch Unbehagen oder Mißfallen auslösen. Wer also über eine gewisse pädagogische Angestrengtheit bei den groß angelegten Lachmanövern nicht hinwegsehen kann, der wird in keinem Lachclub dieser Welt glücklich werden. Man braucht auf jeden Fall einen guten Willen, sich auf die Lachsituation einzulassen.

Wer aber zum Lachen im Yoga findet und Lust in sich aufsteigen spürt, der erschließt sich einen Genuss, der noch befragt werden muss. Denn ein rein körperliches Durchlachtwerden hat Aspekte gefälschter Lust an sich. Die Rede ist von einem Qualitätsunterschied zu einem auf Basis eines geistigen Lachimpulses. In einem Raum mit Menschen über das zu lachen, was im Alltag schief läuft und nervt, setzt Aeroquanten des Lachens frei, die Dimensionen besitzen, die dem Lachclubtreffen völlig abgehen. Dort bleibt es bei einer Lachmassage, die notwendig an jeder Ironie vorbeigeht. Lachyoga begeht dabei die Ursünde am guten Leben, einen sicheren Weg zu einer Lust zurückzulegen, die kleinformatig und eingeebnet ausfällt. Lieber den Spatz in der Hand als die berühmte Taube auf dem Dach zu haben, entspricht der Positiven Psychologie, die es nicht so genau wissen will und mit System Bekanntschaft mit Freundschaft verwechselt, Liebe durch Beziehung ersetzt und auch vor dem Lachen nicht halt macht und es nivelliert.

Als therapeutisches Lachen hingegen hat Lachyoga seinen Wert, also für alle Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr lachen und so ein Element des Lebens verloren haben. Wer den Anschluss an das Lachen verpasst hat und es vielleicht sogar schon vergessen hat, der ist im Kleinformat des Lachens im Yoga am richtigen Ort.

Sebastian Knöpker