Der Glücksoffizier – Chief Happiness Officer (CHO)

cgkSeit einiger Zeit ist der Hausmeister zum Facility Manager geworden und erklärt gerne, dass er viel mehr als der klassische Kleinhandwerker zu tun hat. Chief Happiness Officer ist nicht eine weitere Umschreibung für Hausmeister. Der Chef des Glücks soll vielmehr den Mitarbeitern seiner Firma vermitteln, wie man auch bei der Arbeit Zufriedenheit und Lust erleben kann. Natürlich kommt die neue Position aus den USA und enthält so gut durchgewolft wohlmeinende wie auch bedrohliche Seiten. Denn die Steigerung des Wohlbefindens am Arbeitsplatz hat zugleich den saugenden Aspekt, den Mitarbeiter auszuhorchen und die Firmenleitung so auf dem laufenden zu halten.

Was bringt der Glücksoffizier, ist er nicht Clown, Cheerleader oder Kontrollorgan? Er kann einige Wege aufzeigen, so in den Rausch der Nüchternheit. Selbst die nüchternste Zahlenmaterie kann eine große Lust auslösen. Die Euphorie gesteigerter Sachlichkeit entsteht dann, wenn man jedes Schielen auf ein baldiges Ende der Arbeit aufgegeben hat und jede Hoffnung, dass in dem Datenwust, den man bearbeitet, noch irgendeine Freude sitzen könnte, und sei es auch nur die Allerkleinste, ganz undenkbar geworden ist. Die Nüchternheit als Mangel an Farbe und Intensität ist hin zu einem Hochland der Nüchternheit zu durchqueren, in der die dann einsetzende Euphorie das sachliche Weiterarbeiten nicht beeinträchtigt.

So direkt arbeitet der Glücksoffizier aber selten an der Glücksmaterie. Der Glücksoffizier soll vielmehr eine unbestimmt gute Laune verbreiten, auf die Mitarbeiter zugehen und ihnen zuhören. Er soll die dritte Partei sein, die vermittelt und zwischen den Fronten für Kommunikation sorgt. Wo Kollegen nicht mehr miteinander sprechen, kann er als Vermittler dienen, Konflikte ausdrücken und vielleicht auch lösen helfen. Das funktioniert dann, wenn der Glückschef eine Schweigepflicht hat und nur als Orakel Andeutungen macht. Ist er jedoch an die Geschäftsleitung gebunden, kann er nur Sprachkosmetik betreiben.

Das Tätigkeitsfeld des Glücksoffiziers ist also hoffnungslos verfummelt: er soll zugleich Vertrauen zu den Angestellten wie zum Management aufbauen, was in offenem Widerspruch zueinander ist. Er wird regelmäßig der Geschäftsleitung Tipps geben, wer die Stimmung drückt und kein guter Kollege ist. Das macht er vielleicht nicht gerne, aber er muss es machen, weil er sonst überflüssig wäre. Der Glückschef steht nämlich nicht nur zwischen den Hierarchien. Er muss auch beständig dafür kämpfen, die eigene Position zu stabilisieren. Denn er ist nicht unersetzlich und muss stets in eigener Sache Werbung betreiben. Die Einführung des Chief Happiness Officers in Deutschland darf so noch lange auf sich warten lassen.

Sebastian Knöpker