Schöner Leben – Faceforming

Das Gesicht ist der Seismograph der ganzen Person. Strahlt es, dann strahlt auch der Mensch, der dahinter steht. Falten, Runzeln und nach unten gezogene Mundwinkel passen da nicht ins Konzept, so dass ein Faceforming mit Tigerfeeling gute Dienste verspricht. Dabei handelt es sich um eine Serie von Übungen, die auf die Glättung und Entspannung der Gesichtsmuskeln aus sind, um es so der Faltenbildung vorzubeugen. Die reine, knitterfreie und furchenlose Haut, die sich durch das richtige Training aufbauen lässt, steht für die Autorin von Faceforming für ein inneres Glück und Gleichgewicht, das sich nach außen mitteilt. Mehr Freude also durch freundliche Blicke auf die altersgerecht makellose Haut für Sie & Ihn!

„Was den meisten nicht klar ist“, lässt die Autorin Benita Cantieni ihre Leser wissen, ist die Tatsache, dass die Schädelknochen sich ausdehnen lassen: „Je größer das Volumen des Schädels wird, desto größer ist die Spannung der Haut.“ Das wiederum strafft die Haut und schützt vor einem Schrumpfkopf. Übt man jeden Tag, so kann man den gewünschten Effekt erzielen, etwa indem man die Lippen von den Zähnen weg zieht und die Ohren nach hinten oben streckt. „Die meisten Menschen schrumpfen im Alter, weil sie denken, da kann man nichts machen.“, so die Autorin. Managt man hingegen geschickt seine Schädelknochen, so kann man den Schrumpfungsprozess in seinem Sinn gestalten.

Das gilt auch für die schwierige Kinnpartie, die sich durch die Übung straffen lässt, den hinteren Teil der Zunge gen Daumen zu heben. Die Wirkung tritt dabei laut der Autorin mit der ersten Übung ein, und „Wer nach drei Wochen noch keine Komplimente erhält, macht was falsch.“. Die Steigerung des Wohlbefindens braucht also nur wenig Arbeit, die sich sehr bald auszeichnet. Das bislang handelsübliche Lächeln im Gesicht fällt damit allerdings auch weg und wird von einem angedeuteten Schmunzeln in kleinster Potenz ersetzt, da Dauerlächeln ja Falten hervorbringt.

Das vollmundig vorgetragene Wohlfühlversprechen, in dem die innere Genüsslichkeit des Existierens nach Außen dringt, von dort mit freundlichen Blicken bestätigt und zurückgegeben wird, kann so allerdings nicht recht funktionieren. Denn viele Menschen haben ein Fabrikzeichen auf der Stirn: ihr fugenloser Pragmatismus schlägt sich im Gesicht nieder und statt einer Aura strahlt eher ein gähnendes Nichts. Die Arbeitnehmermaske, die viele tragen, lässt sich schon nach wenigen Jahren nicht mehr ablegen und bleibt auch nach Feierabend erhalten. Ein facial expression management mit Übungen, die der Einfachheit halber Yoga und Qi Gong entnommen sind, lässt sich der Seismograph des Charakters aber nicht überlisten. Die Idee der Gesichtshaut als Glücksmembran, die als dünne Schicht nach Außen wie nach Innen wirkt und alles mit seiner seligen Wirkung durchdringt, wird von der Autorin kompakt auf den Punkt gebracht und erscheint so entsprechend strahlend in seiner Nichtigkeit.

von Sebastian Knöpker

Benita Cantieni, Faceforming mit Tigerfeeling, 176. S., Verlag Südwest, ISBN 978-3-517-08982-9, 19,99 €.